Geschäfts­bericht 2023

Die Dekarbonisierung braucht handlungsfähige Stadtwerke

Auf dieses Ziel ist die neue rhenag ausgerichtet – zu 100 Prozent.



Sehr geehrte Damen und Herren,

die rhenag ist mit Vollzug der Rheinlandkooperation ein neues Unternehmen, die Energieversorgung mit der gesetzlich verbindlich geregelten Dekarbonisierung ein anderes Geschäft. Diese beiden Entwicklungen haben das Geschäftsjahr 2023 geprägt und sie beschreiben die Leitplanken für unsere Zukunftsagenda, an der wir mit dem 2023 begonnenen Strategieprojekt „#rhenag2030“ so intensiv wie nie arbeiten.
 

Aber zunächst der Blick in den Rückspiegel. 2023 war zum dritten Mal in Folge für unsere mittlerweile rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein äußerst anspruchsvolles Jahr. Anspruchsvoll, weil es nach dem „Zeitenwenden“-Jahr 2022 mit Ukrainekrieg und Energiepreisexplosionen ohne Unterbrechung im Ausnahmemodus weiterging. Die ersten drei Monate 2023 waren geprägt von der Umsetzung der Preisbremsen. rhenag war eines der wenigen Unternehmen, die die komplexen Preisbremsenberechnungen fristgerecht abbilden konnten – für sich selbst und für die knapp 5 Millionen Kunden unserer Stadtwerkekunden, die unsere lima-Software im Einsatz haben. 


Es war anspruchsvoll, weil 2023 genau das eintrat, was für Stadtwerke und Regionalversorger wie rhenag das schlechteste aller Szenarien war: der schnelle und sehr deutliche Rückgang der Notierungen an den Großhandelsmärkten. 

Billiganbieter konnten sich mit einem Mal wieder günstig eindecken und waren mit Preisen zurück am Markt, mit denen sicherheitsorientierte Anbieter mit langfristiger Beschaffung und deutlich teureren Portfolio-Durchschnittspreisen nicht mithalten konnten. Dies verschärfte die Situation auf der Absatzseite, die konjunktur- und temperaturbedingt ohnehin unter Druck stand.

Es war anspruchsvoll, weil der Gesetzgeber mit dem Gebäudeenergiegesetz und der Kommunalen Wärmeplanung von den Kommunen und ihren Versorgern hochkomplexe, maximalinvasive und äußerst kostenintensive Eingriffe in gewachsene Versorgungsinfrastruktur verlangt, für die nach dem

 
 

Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Nachtragshaushalt 2021 die dringend benötigte staatliche Förderung plötzlich wegbrach. Mehr Verunsicherung in so kurzer Zeit gab es selten – weder für Heizungsbesitzer noch für uns als Branche.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen können wir mit der operativen Performance der rhenag im Geschäftsjahr 2023 zufrieden sein. Sogar mehr als das: Es ist uns gelungen, trotz des geschilderten Gegenwinds aufgrund des starken Wachstums unserer Beteiligungssparte unser Ergebnis deutlich zu steigern. In Zahlen: Das rhenag-EBITDA stieg 2023 in der HGB-Betrachtung von gut 40 Mio. € auf 70 Mio. €.


Wir konnten einmal mehr im Dienstleistungsgeschäft von den geschilderten operativen Herausforderungen profitieren, die bei uns als wachsende Kooperationsnachfrage seitens der Stadtwerke ankommen.

Entscheidender Motor dieses Wachstums aber war die Rheinlandkooperation, von der bereits 2023 deutliche Impulse auf die gesamte rhenag ausgingen.

Unsere Beteiligungssparte, die bisher etwa ein Drittel zum Ergebnis beigetragen hat, steuert nun zwei Drittel des Ergebnisses bei.

Die Rheinlandkooperation eröffnet rhenag zudem neue strategische Perspektiven. Wir sehen in der neuen Aufgabenverteilung zwischen RheinEnergie, der gestärkten rhenag und der Westenergie einen Schlüssel, um die immensen operativen Anforderungen an die Dekarbonisierung der Energieversorgung bewältigen zu können.


Was ist die rhenag-Rolle in diesem Verbund/Konstrukt?

Wir werden aus dem breiten Kompetenzspektrum des gewachsenen rhenag-Netzwerks das Wissen, das Können und die Ressourcen bündeln und in Dienstleistungen übersetzen, um Kommunen und vor allem ihre Stadtwerke bei den anstehenden Aufgaben zu unterstützen.

Unternehmerisch bedeutet dies für uns zum einen neues Wachstum im

Dienstleistungsgeschäft. Wir sind überzeugt, unsere Dienstleistungen deutlich skalieren zu können. Treiber dieses Wachstums sind die vierzehn neuen Gesellschaften, die von der RheinEnergie und Westenergie zu uns gekommen sind. Gleichzeitig treibt auch die hohe Kooperationsnachfrage aus dem Markt heraus in zunehmendem Maße dieses Geschäft.

Zum anderen erschließen wir uns neues Erlöspotential durch die forcierte Unterstützung der Stadtwerke bei der Dekarbonisierung vor Ort, etwa indem wir als Projektpartner gemeinsam die erneuerbaren Energien ausbauen oder die Wärmeinfrastruktur modernisieren. Dies ist zeit- und kapitalintensiv, wir sehen hierin aber eine wichtige Säule zur langfristigen Absicherung unseres Geschäfts „beyond Commodity“.

Wir werden damit Motor des Wandels sein. Zur Wahrheit gehört aber ebenso: Auch wir selbst werden uns auf den Weg in die neue Realität weiter verändern müssen. Die Fülle an Aufgaben, der Innovationsdruck und das Innovationstempo werden die rhenag fordern.

Diese Transformation findet aber in einem Umfeld statt, das von Wachstum, neuen Chancen und einem neuen Blick auf unser Unternehmen und unsere Branche geprägt ist. Kurz gesagt: Wir sind plötzlich Teil der Lösung und nicht länger Teil des Problems.

 
 


Wo früher der Energiewirtschaft bestenfalls „low-interest“ entgegenschlug, häufiger aber die kritische Wahrnehmung als „fossil & teuer“, sind die EVU insbesondere auf lokaler Ebene heute die gefragten Experten, von deren energiewirtschaftlichem Können und finanziellen Ressourcen das Gelingen der Energie- und Wärmewende maßgeblich abhängt.

Wir als rhenag sind entschlossen, diese neue Rolle auszufüllen – für uns selbst und insbesondere für das Gelingen eines der zurzeit wichtigsten gesellschaftlichen Projekte. Denn wir sind überzeugt:
 

  • die Energie- und Wärmewende wird sich als das größte Infrastrukturprojekt seit Jahrzehnten ganz wesentlich vor Ort in den Kommunen entscheiden;
  • die Kommunen brauchen hierfür handlungsfähige Stadtwerke;
  • damit Stadtwerke angesichts der tiefgreifenden Transformation handlungsfähig und als Unternehmen erfolgreich bleiben, brauchen sie die richtigen Kooperationspartner.


Aus dieser Analyse haben wir unsere übergeordnete Zielsetzung – oder stärker: unsere Mission – für die kommenden Jahre abgeleitet: „Wir machen Stadtwerke erfolgreich“.

Wir sind überzeugt, mit dieser strategischen Ausrichtung das Schlüsselprojekt „Energie- und Wärmewende“ voranbringen und uns als Unternehmen zu einem der bedeutendsten Stadtwerke-Dienstleister entwickeln zu können.        


Mit herzlichen Grüßen
 

Jan-Bernd Brüning

 

 

Till Cremer

 

 

Dr. Catharina Friedrich

Dr. Catharina Friedrich

 

 

Dr. Hans-Jürgen Weck

Dr. Hans-Jürgen Weck