Geschäfts­bericht 2023

Prognosebericht

Rheinlandkooperation

Der Zugang von vierzehn neuen, in Größe und Struktur sehr unterschiedlichen Beteiligungsgesellschaften ist ein nie da gewesener Wachstumsschub in der rhenag-Geschichte. Diese neuen Gesellschaften gleichzeitig in das rhenag-Netzwerk zu integrieren, ist eine große Herausforderung für die gesamte Organisation und wird damit das zentrale rhenag-Projekt des Jahres 2024 sein.

Nach dem Start der Rheinlandkooperation 2023 wird es in der sich nun anschließenden Integrationsphase darum gehen, die jeweiligen Themen und Kooperationsbedürfnisse der neuen Beteiligungen im Detail kennenzulernen, eine Dienstleistungs-Roadmap zu entwickeln und die Unternehmen friktionsfrei in die Kooperationsprozesse einzubinden – klar priorisiert unter Beachtung der zurzeit noch limitierten Ressourcen.

Wir werden 2024 den begonnenen Personalaufbau fortsetzen, um die rhenag-Organisation an das deutlich gewachsene Aufgabenspektrum anzupassen und die in solchen Phasen des anorganischen Wachstums unvermeidlichen Ressourcenengpässe Schritt für Schritt aufzulösen. Mit Blick auf den engen Arbeitsmarkt ist auch die effektive Rekrutierung dieser Mitarbeiter eine nicht zu unterschätzende personalwirtschaftliche Herausforderung.

Die Fülle der vor uns liegenden Aufgaben zur Anpassung der rhenag an die neue Dimension ihres Geschäfts ändert nichts an der Gesamtschau auf die Rheinlandkooperation. Mit ihr gewinnt die rhenag-Gruppe nachhaltig an Substanz und erfährt eine deutliche Steigerung ihrer operativen Schlagkraft. Beides werden wir nutzen, um die Stadtwerke vor Ort zu stärken und so in unserer eigenen Region im erweiterten Rheinland – aber auch als Stadtwerke-Partner bundesweit – die lokale Energie- und Wärmewende wirksam voranzutreiben.

Energievertrieb

Das voraussichtliche Aus der Energiepreisbremsen wird 2024 den Wettbewerbsdruck in unserem Energiegeschäft noch einmal intensivieren. Der deutliche Einbruch der Großhandelspreise in sehr kurzer Zeit ist für alle sicherheitsorientierten Unternehmen wie die rhenag, die auch als Grundversorger in der Verantwortung stehen, das schlechteste aller möglichen Szenarien. Da wir gemäß unserem Risikomanagement in unserer langfristigen, ratierlichen Beschaffung nicht spekulieren, sondern auch in Zeiten hoher Großhandelspreise Teilmengen kaufen, sind wir im Wettbewerb gegenüber kurzfristig beschaffenden Wettbewerbern, bei wieder fallenden Beschaffungspreisen, strukturell im Nachteil. Während diese Wettbewerber Ende 2022 und Anfang 2023 in Zeiten der Rekordnotierungen extrem hohe Preise aufgerufen oder die Belieferung ihrer Kunden ganz eingestellt haben, nutzen sie das gesunkene Preisumfeld nun für preisaggressive Vertriebsoffensiven. Aufgrund unserer hohen Bezugskosten sind die Konditionen für die rhenag gegenüber dem Wettbewerb wirtschaftlich nicht darstellbar – das Risiko, eine große Menge von Kunden zu verlieren, ist somit sehr wahrscheinlich.

Auch die Kompensation möglicher Kundenverluste im Stammgebiet durch überregionales Wachstum wird in diesem Wettbewerbsumfeld absehbar schwerer. Außerhalb des Stammgebiets zählt einzig und allein der Preis; der Wettbewerb ist hier noch einmal aggressiver.

Erneuerbare Energien

Der Bedarf an regenerativ erzeugtem Strom wird mit einer wachsenden Zahl an Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen in den nächsten Jahren stark zunehmen. Für die rhenag bleibt der Ausbau eigener regenerativer Erzeugungskapazitäten daher weiter im Fokus.

Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, uns im regionalen Umfeld geeignete Flächen für die Entwicklung von Windenergie- und PV-Projekten zu sichern – auch in Kooperation mit benachbarten Energieversorgern. In Rommerskirchen-Butzheim wollen wir Verträge mit Flächeneigentümern finalisieren und aufgrund der regionalen Nähe zu potenziellen Flächen der RWE eine gemeinsame Projektgesellschaft mit der RWE Wind Onshore Germany gründen. Dies wäre ein erster wichtiger Schritt für die Entwicklung eines regionalen Windparkprojekts, vor dessen Realisation aber erfahrungsgemäß weitere Hürden und zahlreiche Risiken liegen.

Dienstleistungsgeschäft

Im Dienstleistungsgeschäft gehen wir auch 2024 von einem weiter anhaltenden Wachstum aus. Treiber des Wachstums sind die starke Marktdynamik im Segment der Stadtwerke-Dienstleistungen sowie die zusätzliche Nachfrage der neuen rhenag-Beteiligungsgesellschaften.

Vor diesem Hintergrund ist es unser klares Ziel, unser Dienstleistungsgeschäft deutlich zu skalieren. Die Voraussetzungen sind gegeben, um mit dem bestehenden Produktportfolio zusätzlichen Umsatz generieren zu können. Gleichzeitig ist es unser Ziel, durch die Entwicklung neuer Produkte das Leistungsspektrum zu verbreitern und auch mit neuen Dienstleistungen rund um die dominierenden Themen der Energie- und Wärmewende sowie der zunehmenden Digitalisierung der Energieversorgung zu wachsen.

Insbesondere im Dienstleistungsgeschäft sind Köpfe das entscheidende Kapital. Daher zählt der Zugriff auf die nötigen Qualifikationen zu den zentralen Erfolgsfaktoren. Diesen Zugriff wollen wir durch eigenen Personalaufbau sicherstellen. Gleichzeitig werden aber auch Kooperationen mit externen Spezialisten eine Rolle spielen, um unsere Kapazitäten kurzfristig auszubauen.

Quantitative Prognose / Unsere Prognosezahlen

Beim Gasabsatz, der insbesondere in der Heizperiode maßgeblich vom Witterungsverlauf beeinflusst wird sowie von der derzeitigen Wettbewerbssituation nach dem Wegfall der Preisbremse stark abhängig ist, geht die rhenag wettbewerbsbedingt von einem hohen Mengenrückgang aufgrund von Kundenverlusten aus, der deutlich unter dem budgetierten Absatz von rd. 1,2 Mrd. kWh liegen wird. Bei der Stromversorgung gehen wir von einem steigenden Absatz auf rd. 166,3 Mio. kWh aus.

Beim Beteiligungsergebnis, das sich aus den anteiligen Ausschüttungen des Geschäftsjahres 2023 generiert, gehen wir aufgrund der für alle Gesellschaften sehr schwierigen Rahmenbedingungen dieses Krisenjahres von einem leichten Rückgang aus.  

Vor diesem Hintergrund plant die rhenag mit einem Ergebnis vor Steuern von rund 64,8 Mio. € und einem ausschüttbaren Gewinn von 53,5 Mio. €.

Für diese Prognose wie für sämtliche in die Zukunft gerichteten Aussagen dieses Lageberichts möchten wir an dieser Stelle klarstellen, dass es sich ausschließlich um Erwartungen auf Basis des heutigen Wissensstands handelt. Stand heute sind diese Annahmen und Planungen realistisch. Wir sind jedoch weiterhin mit erhöhten Volatilitäten an den Großhandelsmärkten und – insbesondere nach den Verfassungsgerichtsurteilen zur Finanzpolitik des Bundes – unsicheren politischen Rahmenbedingungen in unserem Geschäft konfrontiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Prognosen über- oder unterschritten werden, steigt damit deutlich.

Köln, den 5. Februar 2024

rhenag Rheinische Energie Aktiengesellschaft

Der Vorstand

Till Cremer

Dr. Catharina Friedrich
 

Dr. Hans-Jürgen Weck